Wandersport Termine  

05
20

20.05.2012 - 03.06.2012
An Saale und Unstrut nach Naumburg

06
03

03.06.2012 - 24.06.2012
An den Main nach Kitzingen im Fränkisches Weinland

07
09

09.07.2012 - 21.08.2012
Sommerferien 2012

08
04

04.08.2012 - 26.08.2012
An diverse Seen nach Berlin / Bad Saarow

08
24

24.08.2012 - 26.08.2012
Herrentour nach Wolf/Mosel

09
01

01.09.2012 - 22.09.2012
Bodensee

10
03

03.10.2012
Tag der Deutschen Einheit

10
08

08.10.2012 - 20.10.2012
Herbstferien 2012

11
01

01.11.2012
Allerheiligen

12
25

25.12.2012
1. Weihnachtstag

   

Auf den Spuren von Theodor Fontane

Auf den Spuren von Theodor Fontane und Wilhelm Pieck – oder –

wie wir mit „Nässi“ durch Philadelphia paddelten

Erinnerungen, nicht nur an Paddeltouren am Märkischen Meer und ins Dahme-Spree / Oder-Spree Seengebiet, mit Wiederholungsabsicht in 2010.  -  Nacherzählt von Bernd Dietrich, im Januar 2010.

Der Jahreswechsel, Zeit für Rückblicke und Ausblicke. Der Blick aufs kommende Frühjahr und den Frühsommer stellt zugleich die Frage: „wo möchtest du 2010 (mal wieder) paddeln“?  Erinnerungen breiten ihre Bilder aus.


Es war im Oktober 2003, die berufliche Anspannung ist trotz der nur noch sechs Monate bis zum end-gültigen beruflichen Ausstieg ungewöhnlich hoch. Eine Auszeit könnte jetzt revitalisierend wirken. Was tun in dieser Situation?  Fliegen, Sonne, Nichtstun – oder, wie meistens, Wohnwagen anspannen, Kajaks und Fahrräder aufladen und ... ? Ursula überlässt es mir, „Du musst für Dich das Richtige finden!“

Wir landen mit Wohnwagen, „Nässi“, unserem Seen-süchtigen Seekajakdrachen und Fahrrädern am Scharmützelsee, dem Märkischen Meer, südöstlich von Berlin in der „Mark Brandenburg“. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.
Der Campingplatz Schwarzhorn bei Wendisch-Rietz, SW des Scharmützelsees, vermittelt, versteckt unter dichten Fichten, den Charme einer eingeschworenen Laubenpieperkolonie. Die wenigen, sonnendurchlässigen Touristenplätze liegen direkt am See, neben dem Badestrand des Campingplatzes – und wir sind die einzigen Gäste.
Wo wir schon einmal hier sind, bauen wir auch auf. Es ist arg frisch, aber trocken. Wichtigstes Requisit unseres Campinglebens der nächsten drei Wochen wird unser Heizlüfter im Vorzelt, Elektro-pauschale.
Die erste Nacht, wir schlafen gut. Aufstehen, im Vorzelt ist es ganz schön schuppig, erst einmal den Heizlüfter an, dann zum zentral gelegenen Waschhaus, zu weit weg, wie wir meinen. Auch hier sind wir einsam. Alles Frühaufsteher?
Das Frühstück ist herrlich, im nun muckeligen Vorzelt, mit einem von Sonne durchbrochenen Seeblick. Eine sechsköpfige Schwanenfamilie frühstückt, nur 4 m entfernt, mit uns. Die Prozedur und das Szenario wiederholen sich fast täglich. Wir beschließen, bei diesen Temperaturen läuft vor 11:00 Uhr gar nichts.
Der Infrastrukturcheck am Ort ist zufriedenstellend. Die Versorgung und Gastronomie in Wendisch-Rietz genügt unseren Ansprüchen. Eine Top-Wellness Oase, das SATAMA in Wendisch-Rietz ist mehr als eine Sauna. Das ca. 10 km entfernte Bad Saarow-Pieskow bietet anspruchsvollere Gastronomie, Kurzweil, Kultur und eine überschaubare, schicke Thermenlandschaft. Ausreichende Möglichkeiten, bei Verlust eigener Wärme, dies anderweitig zu kompensieren.
Wir versorgen uns bei der Tourist-Information in Wendisch-Rietz mit allen Unterlagen über alles touristisch Interessante der Region. Es wird uns nicht langweilig werden.
Beim Studium der Lektüre begegnet uns immer wieder Theodor Fontane. 1819 in Neuruppin geboren und 1898 in Berlin gestorben, approbierter Apotheker und einer der bedeutendsten Schriftsteller deutscher Sprache (wer kennt nicht seine Romanfigur „Effi Briest“ oder die Ballade über den Birnbaum des „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ ?), hat in seinen 1862–1888 erschienenen, vierbändigen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, die er per Kutsche, Bahn oder Schiff unternahm, viele Orte der Mark bereist und mit seinen Kommentaren bedacht. Heute sieht sich jeder Ort davon geehrt, unabhängig von den vor ca. 130 Jahren getätigten Kommentaren über sie.
Mit: „Erst die Fremde lehrt, was wir an der Heimat besitzen“ beginnt das Vorwort des ersten Bandes.  

Unsere erste Tour soll zum „einschockeln“ sein und aufgrund von Nieselregen + kaltem Wind am Westufer des ca. 10 km langen und 1,5 km breiten Scharmützelsees entlang Richtung Bad Saarow Strand führen. Nach ca. 4 km liegt linker Hand, über einer kleinen aber feinen Marina, „Das Brandenburg“, eine Nobelherberge für Skipper aller Art, insbesondere aber für Golfer, „kultivieren“ doch hinter dem „Brandenburg“ drei 18 Loch Golfplätze der Extraklasse die Heidelandschaft. Wir reihen „Nässi“ bei den Seglern ein, erklimmen „locker gekleidet“ die Terrasse und ordern in der gut besetzten Bar zwei Tee mit Rum. „Nein, wir sind keine Segler, wir bewegen uns noch mit Muskelkraft fort“ entgegnen wir dem Barkeeper. Die Reaktion beweist, Paddler gehören hier nicht zum Stammpublikum, gleichwohl heißt man uns willkommen. Heute ist „Das Brandenburg“ schon wieder Geschichte und gehört seit 2004, erweitert um 4.200 m² Wellnessbereich, zum Sport & Spa Resort AROSA Scharmützelsee.     
Die nächsten Tage vergehen damit, mit „Nässi“ den Scharmützelsee sowie den im Süden angrenzenden Glubig- und Springsee kennen zu lernen. Während die Berlin zugeneigte „Westküste“ des Märkischen Meeres voll aufgerüstet ist, gutsituierten Urlaubern wirklich alles recht zu machen, kümmert die Ostküste und das Hinterland etwas vor sich hin.
Letzteres hat auch Vorteile. Bei einer nachfolgenden, schönen Radtour durch die hügelige Wald- und Heidelandschaft rund um den Scharmützelsee, entdecken wir in Herzberg, bei der Kirche, eine Metzgerei mit Gaststätte. Wir speisen vorzüglich und preiswert und mein Kompliment an die Wirtin, zur besten Soljanka und den zartesten Rinderbraten, den wir je gegessen haben, lässt die bis dahin eher missmutige Miene strahlen. Es braucht ja so wenig, um glücklich zu machen – wir werden es wiederholen.
Das Wetter ist weiterhin gemischt, Sonne, Wolken, Regen wechseln sich, bei Vorteil Sonne ab, aber die Kälte bleibt beständig, gegen 11:00 Uhr liegen die Temperaturen zwischen 7 und 12 Grad. Kein goldener Oktober. Also ab in die SaarowTherme.
Wer die Dimensionen der Thermen in Bad Füssing kennt, empfindet die SaarowTherme als gemütlich, und wer um die Altersstrukturen in Bad Füssing weiß, empfindet das mehr an Jungvolk als sehr sympathisch.  Die SaarowTherme, u. a. nach 1945 Lazarett der oberen Führungsstrukturen der russischen Armee, wurde 1999, nach umfangreichen Umbauarbeiten, ins deutsche Gesundheitswesen wiedereingegliedert. Ein Vorzeigeobjekt.
Bad Saarow selbst ist nach der Wende auferstanden. Der erloschene Glanz der „Golden Twenties“ des vergangenen Jahrhunderts, die Villen und Landhäuser der damaligen Berlin-scheuen Prominenz aus Musik, Film, Kunst und Sport erwachen, frisch restauriert, aus ihrem Dornröschenschlaf. Bis auf den bekanntesten deutschen Boxer aller Zeiten, Max Schmeling (und seine Ehefrau, die Filmdiva Anny Ondra), sind die Promis dieser Zeit wohl nur noch historisch versierten Insidern oder Sportkameraden jenseits der 60 bekannt. Gleichwohl wird es auch Jüngeren Laune machen, per Pedes oder radelnd Bad Saarow zu erfahren.
Theodor Fontane (stöhnend) zu seinem Kutscher Moll: „Is’ das eine Gegend!  In Saarow is’ nichts, das kenn’ ich, und hier in Pieskow is’ rein gar nichts“.

Aber wir sind ja auch zum Paddeln hier.
Also, die nächste Tour geht durch Wendisch-Rietz und den Rietzer Fliess (4 km) in den Großen Storkower See. Dabei zeigt auch Wendisch-Rietz erhebliche Investoren-Bemühungen, die wassernahen Grundstücke mit attraktiven Immobilien den natursuchenden Berlinern zugänglich zu machen. Vorbei an Dahmsdorf und dem gegenüberliegenden „5-Sterne-Erlebnis Schloss Hubertushöhe“ nach Storkow
(5 km). Ob wir auf Schloss Hubertushöhe in unserem Aufzug auch willkommen wären? Ein Anleger lädt dazu ein. Wir paddeln weiter. Hinter der erneuerten Schleuse Storkow und der sich anschließenden neuen, optisch und technisch beeindruckenden Klappbrücke, booten wir aus und schlendern durch Storkow. Gemütlich ist es hier und so einladend, dass eine heiße Schokolade mit einem Schuss Weinbrand + Kuchen zwingend erscheint.
Wir haben noch Zeit und paddeln durch den idyllischen Storkower Kanal, mit nahezu unberührter Naturlandschaft, weiter in Richtung Kummersdorf. Und dann passiert’s: 3,5 km hinter Storkow unterqueren wir eine Straßenbrücke und das Ortsschild „Philadelphia“. Mein Gott, wir können ja schnell sein mit unserem „Nässi“, aber so schnell, um unbewusst den Atlantik zu überqueren, doch wohl nicht? So verunsichert, überfahren wir beinahe einen Stuhl, der, vermutlich von einem enttäuschten Angler versenkt, durch den Kanal taumelt. Wir halten inne und blättern in unserer Reiseliteratur.
Da steht’s: 1713 siedelten Kolonisten aus Franken, Sachsen, Friesland und Holland, die ursprünglich nach Amerika auswandern wollten, dort an und standen für alle Lohnarbeiten, ob Kanalbau, Viehzucht o. ä. zur Verfügung. Die Siedlungen wurden dann „Stutgarten“ und „Hammelstall“ genannt. Die Kolonisten waren mit der Namensgebung nicht einverstanden und beschwerten sich bei König Friedrich II. Daraufhin wurde ihre Siedlung in „Neu-Philadelphia“ umbenannt. Seit 1929 heißt der Ort nun  „Philadelphia“. Was man mit „Nässi“ nicht alles erleben kann.
Wir paddeln noch 3 km weiter bis zur Kummersdorfer Schleuse und kehren dann um. 30 km, wir kommen allmählich in Schwung, sind danach aber auch rechtschaffen müde.

Am nächsten Tag massieren wir das Sitzfleisch auf andere Art  – und radeln diesmal um den Storkower See. Das Wetter ist unsicher, aber wir fahren im Trockenen los. An der Nordseite des Sees durchqueren wir eine reizvolle Heide- und Dünenlandschaft. In Storkow wiederholen wir die heiße Schokolade und machen uns auf den Rückweg durch den Storkower Forst. Dann schüttet es plötzlich heftig, und der Wunsch nach Einkehr kommt auf. Schloss Hubertushöhe liegt vor uns. Rein!  Wir pellen uns aus dem nassen Zeug und setzen uns in den Salon. Ein etwas blasiert dreinblickender Kellner nimmt unsere Kaffeebestellung entgegen und serviert sie auch distinguiert. Schade, dass wir jetzt nicht die Ahnentafel der von Dietrichs mitführen, der Gesichtsausdruck wäre interessant. Beim Abschied hilft uns keiner in die nassen Sachen. Wofür denn dann 5 Sterne?  
Es regnet noch leicht. Hinter der Ansiedlung Hubertushöhe kommen wir auf die Kanalwiesen (Auenlandschaft) des Rietzer Fliesses – und der Radweg geht in einen ca. 1 km langen Knüppeldamm über. Oh je!  Der nasse, flutschige Knüppeldamm erfordert unsere ganze Konzentration. Absteigen  und schieben? Viel zu gefährlich ! Augen auf und durch !  Ohne Gegenverkehr und ohne Salto erreichen wir bei Wendisch-Rietz glücklich wieder festen Boden. Ein kurzer Dank mit Blick nach oben, ein heißes Duschbad und ein warmes Abendessen beschließen den Tag.

Was paddeln wir jetzt neues? Gelegenheiten gibt es reichlich, aber nichts ohne etliche Bring- und Holkilometer. Ein Blick in die Karte sagt uns, Prieros wäre ein idealer Ausgangspunkt für neue Touren. Wir beschließen einen kurzfristigen Ortswechsel, verschließen Schlafschachtel und Vorzelt, informieren den Campingwart und überwechseln nach Prieros.
Hier entscheiden wir uns für das „Waldhaus Prieros“ (www.hotel-waldhaus-prieros.de) als Bleibe. Die Hotelanlage liegt etwas außerhalb, direkt am Streganzer See. Die Anfahrt will nicht enden und wir stutzen beim Passieren eines ehemaligen Wachhauses mit Schrankenanlage.
Die Erklärung: Das Waldhaus Prieros war in den Jahren 1949-1960 Sommersitz von Wilhelm Pieck, dem ersten und einzigen Staatspräsidenten der neu gegründeten DDR. Es liegt in einem 18 ha großen, z. T. unter Naturschutz stehenden, prächtigen Waldgebiet und ist heute primär Ausbildungsstätte, aber auch Hotel, der Germania Fluggesellschaft. Wir logieren für drei Nächte in einem Appartement eines Bungalows und fühlen uns wohl. Gleichwohl scheinen wir wieder die einzigen Gäste zu sein.

Das Paddelrevier im Umkreis des Wasserkreuzes Prieros erstreckt sich sternförmig in alle Richtungen.
Nach NW, Richtung Königs-Wusterhausen (19 km) Erkner, Köpenick bis Berlin sowie darüber hinaus in die Ost- und Nordsee.
Nach SW, Richtung Klein- / Groß-Köritz und Teupitz (20 km).
Nach Süden, über den Dahme-Umflut-Kanal nach Märkisch Buchholz (23 km), zum Spreewald oder bei Leibsch, auf die ca. 170 km lange Dahme-Spree Umfahrt, die über Beeskow, Fürstenwalde, Königs-Wusterhausen und Prieros wieder zurück nach Märkisch Buchholz findet.
Und zu guter letzt führt von Prieros noch eine Wasserverbindung in NÖ Richtung über Storkow zum Scharmützelsee (28 km). Bei dieser Tour ist die wahrscheinlich sehr reizvolle Variante am südlichen Ufer des Wolziger Sees, durch das Mühlenfliess und das Köllnitzer Fliess in die Groß-Schauener Seenkette zu wechseln, nach damaligem Stand, aus Gründen des Landschaftsschutzes leider ausgeschlossen. Wertvolle Laichschongebiete sind zu hier berücksichtigen. Schade.
Mit welcher Tour fangen wir denn nun an?

Am Morgen des ersten Tages in Prieros setzen wir gegen 11:00 Uhr bei dem Hotel am Streganzer See auf herkömmliche Art am Ufer ein. Der Bootssteg darf nicht genutzt werden, da die Gemeinde den See an einen „Privatier“ verkauft hat, der dies nicht gestattet, aber man will sich arrangieren.
Wir folgen dem Lauf der Dahme und wenden uns in westliche Richtung gen Prieros. Die Schleuse Prieros nehmen wir mit Bootsschleppe und scheuchen danach eine Riesenkolonie von Blesshühnern heftig protestierend vor uns her. Gleiches wird sich an den nächsten beiden Tagen wiederholen.
In Prieros wenden wir uns links Richtung Teupitz, über Huschte See, Schmölde See, Hölzerner See, Klein Köriser See, Moddergraben und Modder See, Schulzen See, Zemnin See, Schweriner See zum Teupitzer See.   
Allein die Vielzahl der Seen, auf 20 km Strecke, deutet an, dass die Strecke nach Teupitz, sehr überschaubar, ohne weite Horizonte, über kleine, lange, schmale Seen, mit kanalartigen Verbindungen führt. Das macht aber den Reitz aus. Die Flora ist bunt und herbstlich geprägt mit wechselnden, z. T. geschützten Uferzonen. Auch die geringe Bebauung am Wasser ist äußerst wechselhaft. Mal im Wald versteckte Campingplätze, mal Laubenpieper mit einer Unzahl an Stegen (Anlegen verboten !), mal auf Stelzen stehende, hübsch zu Wochenendhäusern ausgebaute Bootshäuser, mal von ehemaligen Privilegien geprägte, prächtige Datschas, leider auch mal heruntergekommene, hässlich anzuschauende Feriensiedlungen in Eternit Optik, Kanustationen und die beschauliche dörfliche Bebauung.
Wir lassen uns Zeit und gleiten, alles in uns aufnehmend, übers Wasser. Die Fauna besteht für uns nur noch aus Enten und Schwänen. Die viel beschriebene, sonstige Artenvielfalt der Vogelwelt hat sich wohl schon im Süden eingerichtet.
Unterwegs landen wir an, obwohl „Anlegen verboten“ ist, vertreten uns die Beine und verdrücken unsere Wegzehrung. Prompt steht ein älteres Paar vor uns „Können Sie nicht lesen!?“ Nach einem freundlichen Wortgefecht lässt man uns brummelnd gewähren. Gestärkt und als Punktsieger über ewig Gestrige geht es weiter.
Hinter dem Schweriner See (Schwerin ist überall) öffnet sich anschließend der Teupitzer See und stellt sich als Muster von Beschaulichkeit dar. Der Rundblick ist einfach nur schön. Nach Umrundung des Werderchen von Tomows und des Egsdorfer Horstes schließen wir unsere Paddeltour in Teupitz ab.
Gerade ausgesetzt, rufe ich ein Taxi, um unseren Pkw nachzuholen. Ursula bleibt, sich einen Kaffee gönnend, beim Boot. Eine Stunde später sind wir wieder in Prieros.

Am nächsten Morgen, die gleiche Prozedur bis Prieros. Wieder schimpft die Kolonie der Blesshühner über die ungehörige Jagd. In Prieros wenden wir uns rechts und folgen der Dahme, die wenig später, nach links verzweigend, den Weg Richtung Königs-Wusterhausen nimmt. Nach 4,5 km erreichen wir den Dolgen- oder Trüber See, um 2,5 km später bei Gussow wieder die Dahme alleine vor uns zu haben. In Gussow lädt ein mächtiger Weidenbaum, durchwebt von leuchtend rotem wildem Wein, zum Verweilen ein, aber die angezeigte, direkt an der Dahme liegende, einladende Gaststätte hat leider geschlossen. Schade, also weiter. Die Bilder vom Vortag wiederholen sich, nur dass wir dies heute auf  6 km Dahme + Bindower Fliess erfahren. Nach Kablow öffnet sich der Krüpelsee und der Krimnicksee schließt sich an. Auf diesem 5 km langen Teilstück merkt man den nahenden städtischen Einfluss, die Marinas werden zahlreicher und größer. Nach 1 weiteren km booten wir vor der Schleuse in Königs-Wusterhausen aus. Nach kurzem Stadtrundgang ist das Taxi da und eine Stunde später sind wir wieder im Waldhaus.

Dritter Tag, Abschied vom Waldhaus und die Entscheidung, was fahren wir heute? Der Taxifahrer hatte mir gestern vom Dahme-Umflut-Kanal nach Märkisch Buchholz vorgeschwärmt. Wir entscheiden uns dennoch für die Tour zurück zum Scharmützelsee.
Also, Blesshühner die Dritte. In Prieros wieder rechts ab und statt der Dahme folgend, nun rechts ab in den Langer See, durch den Sauwinkel nach Blossin und über den Wolziger See nach Wolzig. Dort biegen wir in den Storkower Kanal ein. Bis hierhin sind es jetzt ca. 11 km und wir spüren den kleinen Hunger.
Die Wasserwanderkarte weist in Wolzig zwei Einkehrmöglichkeiten aus, leider sind beide geschlossen. Wir setzen uns unweit der Straßenbrücke auf eine Bank am gepflegten Ufer. Wieder nur das obligatorische Pausenbrot, Frühstücksei, Obst und Wasser. Ein Anlieger stört die Mittagsruhe mit seinem letzten Rasenschnitt, der von seinen aufgeregten Hühnern laut gackernd begrüßt wird. Wir kommen ins Gespräch: „Ach, aus Wuppertal seit Ihr? Ja, Paddler sind um diese Zeit selten hier, Is’ ja auch verdammt frisch die letzten Tage. Ihr müsst mal im Sommer kommen, dann sind hier die Seerosen eine wahre Pracht. Wer das Ufergelände selbst in dieser Jahreszeit so pflegt? Na, ich!  Schließlich soll es mir ja auch gefallen.“ Wir sind begeistert, mal einen so aufgeräumten Ossi zu treffen. Plötzlich: „Ach, ich hätte da noch was für Euch.“ und rennt zum Haus. In Erwartung eines hochprozentigen, wärmenden Korns pellen wir unsere Frühstückseier. „Hier bin ich wieder“ und reicht uns eine Blechdose mit Erbsensuppenaufschrift über den Zaun. Der Inhalt: 5 frischgelegte Hühnereier. Wir sind gerührt und gar nicht enttäuscht. Mit Dank und einer allseits guten Zeit geht’s bestens gelaunt weiter.
Wieder liegt der Storkower Kanal vor uns. Über Kummersdorf, mit alter Schleuse und altem Maulbeerbaum aus Zeiten, da Seidenraupen und Seide noch Familien ernährten - und wieder durch Philadelphia. Es taumelt kein Stuhl mehr durch den Kanal, dafür steht einer auf der Uferkrone. Hatte wohl nur einen Stuhl der Angler?  In Storkow erleben wir (nach weiteren 9 km) die Dominanz technischen Denkens; der Rhythmus der Klappbrücke scheint mit der nachfolgenden Schleuse gekoppelt, da Motorboote und Segler nur bei geöffneter Klappe aus dieser Richtung in die Schleuse einfahren können (Höhe der Durchfahrt 1m). Uns erscheint die Wartezeit unendlich. Da Klappbrücke und Schleuse erneuert sind, ist das Ganze noch eine große Baustelle und die Umtragung aufwändig, lassen wir’s. Dann geht’s doch endlich weiter. Kalt geworden, durchqueren wir mit ungeahnten Reserven im Sprint den Storkower See und das Rietzer Fliess, um nach nun 28 km wieder unseren Campingplatz Schwarzhorn zu erreichen.
Der Abend dämmert schon. Ich rufe wieder ein Taxi, um unseren Pkw vom Waldhaus nachzuholen und Ursula will nur noch eine heiße Dusche und dann ins Bett. Wieder zurück, schläft Ursula schon und ist nicht mehr bereit, noch Essen zu gehen. So dusche auch ich – und kuschelnd erwarten wir das morgige Frühstück, im muckeligen Vorzelt, mit legefrischen Frühstückseiern, in Gesellschaft unserer Schwäne.

Die nächsten Tage wird relaxt. Morgens eine kleine, aber feine Wanderung den westlichen Uferweg entlang zum „Brandenburg“, dann Mittagsschlaf und abends zum Saunieren und Massieren ins SATAMA. Eine Wohltat nach dem kühlen Kraftakt der letzten drei Tage.
Unsportliche Autotouren nach Beeskow, Fürstenwalde und Erkner schließen sich mit der Erkenntnis an, dass die Wende auch diesen Orten sehr gut getan hat.
Dann ist es wieder soweit, Urlaube sind eben endlich. Wir packen alles zusammen und ab geht’s nach Hause, jetzt, mental und körperlich gekräftigt, auch noch die letzten aktiven Monate meines Berufslebens in gehabter Frische anzugehen.

Liebe Paddelfreunde,
das hier erzählte ist jetzt gut 6 Jahre her, wir hatten eine sehr schöne Zeit am Märkischen Meer und auf den umliegenden Wasserwegen. Die Erinnerungen wurden damals schon notiert. Notizen und Kartenwerk sind natürlich noch verfügbar, somit war es kein Problem, diesen „Reisebericht“ nachzuerzählen.
Leider gibt es von diesem Urlaub keine verwertbaren Fotos, erst recht nicht digital, so dass eine Auflockerung des umfangreichen Textes, danke, dass ihr ihn bis hierhin gelesen habt, kaum möglich ist. Ersatzweise kann unter www.reiseland-brandenburg.de/pdf/Blaues_Paradies_Teil1.pdf - Seiten 27+43 der Tourenverlauf u. a. Wissenswerte angeschaut bzw. nachgelesen werden, wohl wissend, dass dieses Kanu-Revier den Wasserwanderern des WKC wenig bekannt ist.
Wahrscheinlich hätte ich diesen Bericht nie fertig gestellt, wenn in uns nicht der Wunsch geweckt worden wäre, dies in 2010, gemeinsam mit interessierten Paddelfreunden, zu wiederholen (s. WKC Tourenplan 2010). Insofern soll dieser Reisebericht hier Information und Werbung zugleich sein.
Ursula und ich würden uns jedenfalls sehr freuen, einige von Euch dabei zu haben.

Mit sportlichem Gruß
Bernd Dietrich

Infos: 
Tourismus Bundesland Brandenburg www.reiseland-brandenburg.de
www.das-blaue-paradies.de
Tourismusverein Scharmützelsee www.scharmuetzelsee.de
Tourismusverband Dahme-Spree Seengebiet www.dahme-seen.de
Tourismusverband Seenland Oder-Spree e. V. www.seenland-os.de
   
© Wuppertaler Kanu-Club e.V.